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Norman Siehl

„Wandern ist für mich Sport und Meditation zugleich“
Norman Siehl über seine Passion und Leidenschaft

Interview   Kurzprofil

Erfahrungen und Qualifikationen:

  • Bestandserfassung und Zertifizierung „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“
  • Markenmanagement und Marketing für Reiseregionen / DMOs
  • Schulung und Koordination von Wanderwegewarten als leitender Wegewart des Landkreises Dahme-Spreewald
  • Neuanlage und Pflege von Wanderwegen als Wanderwegewart für meine Heimatstadt Wildau
  • Planung, Organisation und Begleitung von Wanderungen und Wanderevents als zertifizierter Wanderleiter und 1. Vorsitzender des Wandervereins Dahme-Seenland e.V.
  • Ausbildung: Diplom-Ingenieur Umwelttechnik / Regenerative Energien
  • Gründer und Geschäftsführer der HIKANOE GmbH

Interview

Seit wann wanderst du? Wie hat es angefangen?
Seit ungefähr 30 Jahren. Mein Vater war auch ein Wandersmann, der oft mit dem Rad unterwegs war und viel gelaufen ist. Da habe ich mir das wohl abgeguckt. Ich will aber nicht verheimlichen, dass wandern in meiner Jugendzeit nicht ganz oben stand. Aber das ist ja normal. Professionell wandere ich ungefähr seit 2013.

Worin liegt für dich der Unterschied zwischen Wandern und Spazierengehen?
In der Art der Vorbereitung, nicht so sehr in der Länge. Wenn ich die Strecke plane, mir eine Karte besorge, ein Lunchpaket mitnehme und mir entsprechende Klamotten anziehe, ist es für mich Wandern. Wenn ich vor die Tür gehe, um mit dem Hund eine Runde zu drehen – das können von mir aus gerne zehn Kilometer sein - nenne ich es Spaziergang.

Unterscheidest du zwischen Wandern und „Genusswandern“?
Wandern ist mein Hobby, meine Passion, von daher ist es für mich eigentlich stets mit Genuss gepaart. Wenn es keine Sportwanderung ist und es darum geht, Strecke zu machen, trinke ich immer gerne ein Bierchen zwischendurch, lasse mich am See nieder oder genieße die Aussicht. Das ist für mich auch Genuss.

Du konzipierst und zertifizierst Wanderwege: Wann ist ein Wanderweg in deinen Augen ein guter, schöner oder sich lohnender Wanderweg
Zunächst einmal: Ein guter Wanderweg muss gut markiert sein. Ich will ihn ohne Karten oder GPS gehen können. Das ist für mich eine Grundvoraussetzung. Was den Weg dann schön macht, sind Aussichten, ist landschaftliche Abwechslung. Oder wenn ich Dinge sehe, die mich überraschen – ich nenne das mal Abwechslung vom Gewohnten.

Gehören nicht auch die unattraktiven Orte und Wegsituationen zum Leben und damit zum Wandern?
Aber ja! Der Kontrast von schön und weniger schön, macht letzteres ja erst erwähnenswert. Wenn man permanent den schönsten Pfad mit den besten Aussichten entlangwandert, wird man den irgendwann nicht mehr als „schön“ wahrnehmen. Auch Schönheit kann eintönig werden.

Wie hat sich deine Einstellung zum Wandern geändert, seitdem du es professionell, also beruflich, betreibst?
Wie gesagt, wandern ist meine Passion, ich mache das mit Liebe und Leidenschaft. Ich habe den Wanderverein Dahme-Seenland gegründet, um den herum eine große Community entstanden ist, mit der ich regelmäßig Monatswanderungen unternehme. Damit verdiene ich kein Geld, das macht einfach Spaß. Ich freue mich aber, dass es mir gelungen ist, aus meinem Hobby heraus eine berufliche Perspektive zu erschließen.

Es gibt zahlreiche Bewertungsportale im Internet. Dank Outdooractive und Komoot können wir alles bis ins letzte Detail planen. Kann Wandern trotzdem noch ein Abenteuer sein?
Absolut. Ich lebe in beiden Welten. Ich bin ein totaler Komoot-Fan, ich plane Wanderungen und gehe als Wanderführer die Routen auch vorher ab. Manchmal passiert aber auch Unvorhergesehenes und dann wird’s halt abenteuerlich.

Verlässt du dich ausschließlich auf Smartphone und GPS? Oder nimmst du auch Karten mit, falls es keinen Empfang gibt?
Ich bin Kartenfetischist. Bevor ich irgendwo wandere, kaufe ich mir die entsprechende Karte, ob ich sie dann brauche oder nicht. Ich habe zwar auch immer das Smartphone dabei, aber auf den kleinen Bildschirmen sieht man ja nie die landschaftlichen Zusammenhänge wie auf einer Faltkarte.

Wandern war einst eine Art des Reisens und der Fortbewegung. Heute werden dem Wandern häufig ganz andere Funktionen und Bedeutungen zugeschrieben. Wie ordnest du das ein?
Natürlich ist Wandern nicht mehr eine Art notwendiger Fortbewegung. Neben dem sportlichen und gesundheitlichen Aspekt hat es eine meditative Seite. Das merke ich bei mir selbst, da passiert unbewusst etwas mit und in mir, das ich nicht unbedingt benennen kann. Ich glaube aber, dass es vielen Menschen ebenso geht.

Wanderst du lieber allein oder in Gesellschaft?
Sowohl als auch. Ich bin gerne mit mir alleine und mir alleine genug. Andererseits mag ich Gruppenwanderungen, auch wegen der Beziehungen, die zwischen den Teilnehmenden entstehen. Es gibt interessante Gespräche, man redet über Banalitäten, Tiefschürfendes und Persönliches.

Was schätzt du an deiner Geschäftspartnerin Uschi?
Ich ordne Leute erstmal in zwei Kategorien ein: Kann ich mit ihnen ein Bier trinken gehen oder nicht? Und Uschi war sofort in der Kategorie „Bier trinken“. Wir haben ziemlich schnell eine sehr persönliche Ebene miteinander gefunden. Wir können miteinander lachen und alles miteinander besprechen. Das gibt’s nicht so oft. Ich freue mich immer, wenn ich sie das nächste Mal sehe.

Deine schlimmste Wanderung?
Bei einer 100-Kilometer-Wanderung, die ich mal mit einem guten Freund unternommen habe, musste ich nach 50 Kilometern abbrechen, weil ich zu humpeln begann. Ihn ziehen zu lassen, als er beschloss, den Weg alleine fortzusetzen, hat mich ziemlich fertiggemacht und auch noch lange danach beschäftigt.

Deine Lieblingswanderung?
Wenn ich einen Herzensweg nennen soll, dann ist es die Saale-Horizontale bei Jena. Der Weg ist wirklich wunderschön. Und es war die erste 100-Kilometer-Tour, die ich jemals gemacht habe.